Ein Bankkonto als Sexarbeiterin oder Sexarbeiter eröffnen: warum es so oft scheitert und was du tun kannst
Sexarbeit ist in Belgien und den Niederlanden legal, trotzdem lehnen Banken Konten oft ab oder sperren sie. Warum das passiert, welche Rechte du hast und wie du deinen Antrag stärker machst.
In Belgien ist Sexarbeit seit Juni 2022 entkriminalisiert, und seit dem 1. Dezember 2024 können Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter dort sogar mit Arbeitsvertrag arbeiten. In den Niederlanden ist Sexarbeit seit 2000 ein reguliertes Gewerbe. Trotzdem bleibt ein praktisches Problem: ein ganz normales Bankkonto zu eröffnen oder zu behalten. Daisy, eine Sexarbeiterin, mit der der belgische Sender VRT sprach, brachte es auf den Punkt: Ohne stabiles Konto und ohne Kredit kommst du nicht weiter.
Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen zu Belgien und den Niederlanden. Er ist keine Rechts- oder Finanzberatung.
Wie groß ist das Problem?
Ende 2023 und Anfang 2024 befragten UTSOPI, Violett und Espace P, die belgischen Organisationen von und für Sexarbeitende, die Branche zu ihren Erfahrungen mit Banken. 759 Menschen antworteten. Einige Zahlen:
- 13 % wurde das Konto gesperrt.
- 9 % wurde ein Kontoantrag abgelehnt. Die Forschenden halten das für zu niedrig geschätzt.
- Von den Betroffenen bekam mehr als ein Viertel überhaupt keine Erklärung.
- 85 % derjenigen mit belgischem Konto sagen, dass ihre Bank nicht weiß, dass sie in der Sexarbeit tätig sind.
- 76 % werden zumindest teilweise bar bezahlt.
Es handelt sich um eine Online-Umfrage, nicht um eine repräsentative Stichprobe. Das Bild ist aber eindeutig, und laut Bericht tritt das Problem bei allen genannten Banken und in allen Regionen auf. Daan Bauwens, Direktor von UTSOPI, sagte im März 2025 im VRT: „Ein Gesetz ist schön, aber ohne Bankkonto kannst du wenig machen.“
Warum lehnen Banken ab?
Nach dem Geldwäscherecht müssen Banken wissen, wer ihre Kunden sind und woher das Geld kommt. Können sie das nicht prüfen, dürfen oder müssen sie ein Konto ablehnen oder kündigen. In der belgischen Umfrage hörten 46 % derjenigen, die einen Grund genannt bekamen, dass es um Geldwäscherisiken oder verdächtige Transaktionen ging. Zum Beispiel:
- viele Bareinzahlungen ohne Erklärung;
- kein Einkommensnachweis, kein Vertrag oder keine Anmeldung als selbstständig;
- Fragen zur Herkunft des Geldes, auf die es keine klare Antwort gab.
Viele Banken haben außerdem interne Regeln zu „Risikobranchen“ und zu ihrem Ruf. Deshalb kann derselbe Antrag in der Filiale gut laufen und von der Zentrale trotzdem abgelehnt werden.
In den Niederlanden hat der Bankenverband NVB Ende 2023 Sexarbeitende in seinen AML-Standard aufgenommen. Danach darf eine Bank unter anderem deine Einkommensteuererklärung nutzen, um die Herkunft deines Einkommens zu verstehen, oder deine Umsatzsteuererklärung, wenn es noch keine Einkommensteuererklärung gibt. Eine ordentliche Buchhaltung und die Eintragung bei der Handelskammer (KvK) helfen ebenfalls.
Was kannst du selbst tun?
- Unterlagen bereitlegen. Ausweis, deine Anmeldung als selbstständig (KBO in Belgien, KvK in den Niederlanden) oder dein Arbeitsvertrag sowie aktuelle Steuererklärungen oder Lohnabrechnungen. Je besser du die Herkunft deines Einkommens zeigen kannst, desto weniger Fragen kommen später.
- Bareinnahmen nachvollziehbar machen. Führe eine einfache Buchhaltung mit Datum, Betrag und einer Referenz pro Zahlung. Unerklärte Einzahlungen sind der am häufigsten genannte Grund für eine Sperrung.
- Geschäftlich und privat trennen. Ein eigenes Konto für deine Tätigkeit erleichtert Buchhaltung und Steuererklärung und gibt der Bank ein klares Bild.
- Ablehnung oder Sperrung schriftlich verlangen. Frag auch nach dem Grund. Die Bank darf ihn nicht immer nennen (etwa nach einer Geldwäsche-Verdachtsmeldung), aber oft schon.
- Dein Recht auf ein Basiskonto kennen. Alle Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich rechtmäßig in der EU aufhalten, haben Anspruch auf ein Basiskonto. - In Belgien heißt das basisbankdienst (service bancaire de base). Eine Bank darf es nur in wenigen Fällen ablehnen, zum Beispiel wenn du schon eines hast oder wenn es gegen das Geldwäschegesetz verstoßen würde. Hilft die Beschwerdestelle deiner Bank nicht, kannst du dich an Ombudsfin wenden. - Für Selbstständige und Unternehmen gibt es in Belgien einen Basisbankdienst für Unternehmen. Haben dich drei Banken abgelehnt, kannst du beim zuständigen Ausschuss des belgischen Wirtschaftsministeriums (FÖD Wirtschaft) einen Antrag stellen; er kann eine Bank bestimmen. - In den Niederlanden heißt es basisbetaalrekening und wird bei einer Bank beantragt.
- Unterstützung suchen. In Belgien helfen UTSOPI, Violett und Espace P bei administrativen Fragen, und UTSOPI sammelt Erfahrungsberichte über finanzielle Diskriminierung.
Was GloryPay anders macht
GloryPay wurde für Profis und Unternehmen der Erotikbranche gegründet. Deine Tätigkeit ist der Grund, warum es uns gibt, und kein Grund für eine Ablehnung. Du bekommst ein Konto mit belgischer IBAN, in Europa nutzbar, mit SEPA-Zahlungen per QR-Code und Kartenterminals. Deine Kunden sehen bei einer Zahlung nur eine neutrale Referenz. Die Kontoeröffnung ist kostenlos, ohne Monats- oder Jahresgebühren.
Quellen: UTSOPI, Violett und Espace P, Bericht über finanzielle Diskriminierung (Umfrage 20.12.2023 bis 06.02.2024); VRT NWS, 28.03.2025; Banken.nl zum AML-Standard der NVB, 04.12.2023; Wikifin zum belgischen Basisbankdienst. Stand: 13.10.2026. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Finanzberatung.